Blumen und Tomaten

Blumen und Tomaten

50 JAHRE BERLINER KASPERSCHULE

Zum Autor Peter Waschinsky, Jahrgang 1950:
“Aktivist der politischen Wende in der DDR ...Als ebenso originell-kreativer wie unbequem-streitbarer Künstler ist Waschinsky einer der markantesten Vertreter des zeitgenössischen deutschen Puppenspiels”.
(E. – F. Kratochwil in der Welt-Enzyklopädie des Puppenspiels 2012 - nur zwei Berliner haben hier einen Einzeleintrag )
 
 

50 JAHRE BERLINER

 

 KASPERSCHULE


So selbstironisch wie im Titel geht die 
"Abteilung zeitgenössische Puppenspielkunst der Hochschule für Schauspielkunst Ernst-Busch"
mit sich und ihrem Metier selten um. Und zum 50. Jubiläum wird vielleicht nach langer Zeit auch mal wieder einiges in den Medien dazu auftauchen - während sonst geschwiegen wird. Durchaus auch VERschwiegen, während die Ballettschul-Probleme öfter Thema sind. Ist ja auch Hochkultur.

Die Jubiläums-Elogen mögen andere formulieren - ich halte deutliche Kritik für wichtiger. Und konstruktiver. 

Ich habe bei Ernst-Busch-Puppe im ersten Jahrgang studiert und absolviert und danach 23 Jahre lang Lehraufträge im Hauptfach wahrgenommen. (Von meinem Unterricht 1975 sah man kurz etwas im MDR-Kurzfilm "Kasper als Prolet" 2022). Ich habe der Berliner Schule als erster auch internationale Meriten erworben (Festivals: 1975/77 Polen, 1978 Avignon Frankreich, 1980 Washington/New York USA).

Ich beobachte an dieser Hochschulabteilung und an der SCHAUBUDE, dem zentralen Berlin Puppentheater, eine Tendenz zur

Parallelgesellschaft,


wo sich bestimmte Kräfte ungehemmt durchsetzen und Kritik eliminieren können, toleriert durch die Berliner Kulturpolitik. Für die das Metier inzwischen abgehängt und der Beachtung nicht wert ist, wie sich immer wieder zeigt. 

Nach der HS "Ernst Busch" war ich übrigens - als einziger Deutscher jemals in diesem Umfang - auch drei Jahre Haupt-Professeur an der französ. Schwesternschule ESNAM, s.u.. 
Lange galt das Puppentheater Neubrandenburg, das ich 1976/77 durch glückliche Umstände mit Gleichgesinnten gründen konnte, wo erstmals in der DDR regelmäßig sowohl für Erwachsene wie Kinder gespielt wurde, als wesentlichste Hervorbringung der Ostberliner "Fachrichtung Puppenspiel". Der wohl wichtigste internat. Puppentheater-Publizist Dr. Henryk Jurkowski schrieb in "marionnettes" (Paris 1994, umfänglichstes Kompendium zum Metier) zunächst, das Puppentheater der DDR sei im internat. Vergleich das "konservativste". Und weiter:

"Die Arbeit der Berliner Schule hat auch das Gesicht des ostdeutschen Puppentheaters verändert. (...)
Das bezeichnendste Beispiel dafür war die Arbeit des jungen Puppentheaters von Neubrandenburg, inspiriert von Peter Waschinsky, Anhänger der bewußt eingesetzten szenischen Illusion. Seine Konzeption war direkt der Brecht-Theorie entsprossen: Ohne szenische Illusion ist kein Verfremdungseffekt zu realisieren. Diese Konzeption fand ihren komplettesten Ausdruck in der Regie zu "Furcht und Elend des Dritten Reiches" von Brecht (1980)." (Kapitel zur Situation in Osteuropa)

Was waren oder sind die Probleme bei der Ausbildung:

1. Die Methodik war erst in der Entwicklung, osteuropäische Konzepte griffen kaum. Nach einigen Ansätzen des sog. "künstlerischen Puppenspiels" - im Gegensatz zum "volkstümlichen" - im frühen 20. Jh. wurde hier erstmalig eine akademische Ausbildung begonnen - in allen anderen Kunstsparten längst gängig und weit entwickelt. Puppentheater war lange das Theater der unteren Volksschichten, ihrer Bildung entspr. angepaßt und entspr. von den Gebildeten abgewertet. Diese Ideologie greift heute wieder stärker.
2. Diese Entwicklungsverzögerung wird einerseits in der öfftl. Wahrnehmung oft nicht berücksichtigt, da ist Minderqualität auch in der Presse oft nur individuelles Unvermögen, nicht auch historisch bedingt. Oder Puppenspiel wird abgewertet, indem es aufgewertet wird ("Für einen Neger spielte er ganz gut"). 
3. Die nachholende akademische Entwicklung von Perfektion wird "gestört"
a) durch an sich positive Rückbesinnung auf Traditionelles, vor allem das bewußt grobe Jahrmarkts-Kaspertheater,
b) durch antiperfektionistische Tendenzen der Moderne., da wird als "kreativ" oder einfach "locker" bemäntelt, was manchmal nur schlecht ist (Michael Hatzius - Die Echse - schrieb in den Nuller Jahren in seiner Diplomarbeit, trotz ausführlichen Unterrichts würde oft schlampig und eingleisig animiert), oder unterschiedliche Stilrichtungen werden gegeneinander ausgespielt und nicht als gleichberechtigte Varianten gesehen.
c) durch Ausweichen auf Schauspiel, was ästhetisch manchmal interessant ist oder war, aber letztlich nur als Grundlage des Puppenspiels nützlich ist. Oft ist es nur Ausdruck von Minderwertigkeitskomplexen der Puppenspieler. 

 

KASPERSCHULE UND KASPERPRAXIS


Es gab aus meiner Sicht in der Berliner Puppenspieler-Ausbildung immer Personalprobleme, zunächst verständlich, da 1971/72 fast bei Null begonnen wurde. Manchmal benutzen Professoren und Lehrbeauftragte die Studenten eher als Objekte ihrer Regieambitionen. Und die Studenten, die vor dem Studium oft gar keine Berührung mit dem Metier hatten, haben in der Berliner Puppenspielpraxis viel zu wenig Beispiel, an dem sie sich orientieren können. Kurz: Die Ausbildungsprobleme sind auch solche des real existierenden Berliner Puppenspiels, was hier beschrieben wird, um die Hochschulprobleme verständlich zu machen.

In der o.g. "Deutschen Puppenspielgeschichte" (E.F. Kratochwil 2012) wird erwähnt, daß ich nach der Wende - die Existenz des großen Ostberliner "Staats"-Puppentheaters stand in der Diskussion - vorschlug, daraus ein flexibles Projekttheater für Freie Puppenspielgruppen ohne festangestellte Künstler zu machen. Das wurde es dann in einem Prozeß voller Querelen auch - unter radikalem Geldentzug durch eine niedrig gesinnte Politik, die im Nachwende-Chaos das Flexibilisierungs-Konzept schamlos mißbrauchte. Aus dem qualitativ bedenklichen, aber immerhin noch Theater war eine Abspielstätte geworden. Zunächst entstanden durchaus noch Ensemble-Inszenierungen, seit 25 Jahren faktisch nicht mehr. Hinter "innovativer" Fassade wurde Puppenspiel wieder auf Miniproduktion mit ein oder zwei Spielern reduziert. Im Politikerdenken ist das Metier heute wieder "Kasperletheater". Ist da in einer Stadt mit drei Opernhäusern der Begriff "Genre-Rassismus" übertrieben? Dazu s.u..

1973 hatte ich erstmals mit "Feuerzeug" ein völlig offen gespieltes Puppenstück gezeigt - der Trend war zumindest in Osteuropa Mode - und legte 1976 mit meinem extrem minimalistischen Solo "Regenwürmer" nach, das ich in der halben Welt spielte (nachdem es in der DDR offiziell als zu modern abgelehnt wurde). Aber 1977 eröffnete ich das neue Puppentheater Neubrandenburg als dessen künstlerischer Leiter wieder mit konsequent verdeckten Spielern, was quasi zu einer höheren Qualität im eigentlichen Puppenspiel zwang. Das Ensemble trainierte sein Handwerk täglich (!!!), was es im deutschen Puppenspiel nie gegeben hatte - und seither nicht wieder gab. 

Ich war gleichzeitig ständiger Lehrbeauftragter an der Puppenspielabteilung und entwickelte folglich meine Lehrmethodik in ständigem Praxisbezug zu meiner Ensemblearbeit und meinem Solospiel. Ich setzte das Fach "Puppenspieltechnik"  durch - etwa vergleichbar dem Tänzertraining an der Stange. 

Um 1990 bot mir der damalige Rektor Veth die Abteilungsleitung Puppenspiel an - das wollte ich nicht und unterrichtete weiter als Lehrbeauftragter. Während ich in der Praxis in sehr unterschiedlichen Puppenspielformen bestand (gelegentlich auch mal als reiner "puppenspielfreier" Akteur), an ganz großen Häusern wie am nichtsubventionierten Hackeschen Hof-Theater, wurde das an der Abteilung zunehmend ausgeblendet und ich zum Lehrtrottel abgewertet, weil ich weiter den Unterschied zwischen Lehre und (Pseudo-) Praxis hochhielt. Die Abteilung wurde mehr und mehr Ghetto, wo z.B. eine fragwürdige "Puppenspiel=Synergese"-Theorie gelehrt wurde. Aber während in der ebenfalls "synergetischen" Oper niemand die Priorität der Musik bestreitet, drohte die Animation / Verlebendigung des Materials als Puppenspiel-Basiselement in der Synergese - manchmal nur noch multimedialer Brei - unterzugehen. Und "Moderne" war, wenn ganz viel geschauspielt wurde. Was früher Horizonterweiterung war, wurde zur Verengung, was dem Puppenspiel und seiner handwerklichen Entwicklung deutlich schadete: Immer wieder gibt es bis heute für Puppenspielprojekte kaum Mitspieler - in keiner anderen Theatersparte denkbar. 

1998 beendete ich meine Berliner Lehrtätigkeit nach 23 Jahren ohne Aufhebens - und wurde sofort von der französisch/internationalen Schwesternschule ESNAM geholt, einer National- also Elitehochschule. Ich hatte als einziger Deutscher jemals in diesem Umfang die Gelegenheit, fast querelenfrei an einer ganzen Promotion von Anfang bis Ende meine Lehrauffassung zu überprüfen. Mit Erfolg bei Studenten und Hochschulleitung, auch wenn ich durchaus auch hier kritisch blieb, gerade gegenüber elitären Ansätzen, was dort auch in der Presse reflektiert wurde.
In Berlin wurde das ausgeblendet, wie zuvor meine erfolgreichen Inszenierungen an der Schaubude. Und als dort immer mehr Puppenspielstudenten auf Schauspiel orientierten, während die teilweise über die Wende geretteten ostdeutschen Puppenspielensembles händeringend Nachwuchs suchten, förderten die Ernst-Busch-Puppenspiel-Dozenten latent den "Schauspieldrang".

Warum?
1. es gab oder gibt zeitweise zuwenig talentierte und motivierte Puppenspielbewerber, deshalb wurden abgelehnte Schauspielbewerber "umorientiert". Nils Dreschke am Puppentheater Halle ist eines der wenigen positiven Beispiele. Meist aber klappte das so gut wie Schwule auf Hetero umzutherapieren (in Deutschland gottseidank verboten). Dafür kippte manchmal die Stimmung unter den Studenten  in regelrechte Puppenspielfeindlichkeit. (Als ich einmal eine ehem. Puppenspielstudentin auf der Straße unbefangen fragte, "Na, machste noch Puppenspiel?", rief sie empört: "Aber das habe ich doch noch nie gemacht!") Diese latente Abwertung des eigenen Metiers taucht immer wieder auf und scheint sich an Hochschulabteilung und Umfeld wie ein unausrottbarer Pilz eingenistet zu haben. 
2. Die Studenten sind die Legitimation für die hochdotierten - vor allem im Vergleich zur Einkommens-Realität von Puppenspielern - Professorenstellen. Da wurden manchmal auch offensichtlich ungeeignete Studenten beibehalten, die man verantwortungsvoll auf einen anderen Beruf hätte orientieren müssen.

 

Puppenspiel auch für Kinder?


Die Ausbildungsergebnisse der Abteilung sind sicher nicht nur schlecht - es ist eine Frage des Maßstabs. Ich bemängele Defizite in zweierlei Hinsicht:
1. Sind - zumindest bis vor Kurzem - nicht genügend "Normal-Puppenspieler" für Ensembles dabei herausgekommen, vor allem für die wenigen verbliebenen staatlichen / städtischen (Ost-) Puppentheater. Noch vor wenigen Jahren suchte z.B. das Puppentheater Chemnitz mit seinen durchaus attraktiven Arbeitsbedingungen Puppenspieler, ggf. "Quereinsteiger", d.h. Laien. Das ist nach 50 Ausbildungsjahren beschämend. Mit ca. 50 Profis wäre der Bedarf der staatl./städt. Ensembles abgedeckt. Es müßten aber, bei ca. 10 Studienplätzen jährlich und vorzeitige Abgänge usw. abgerechnet, mindestens 300 ausgebildet worden sein.
2. Es gibt einige sehr ausgeprägte Individualisten, aber kaum wirklich exzellente Virtuosen wie - Pardon! - mich. Zuletzt profilierte sich vor ca. 15 Jahren Lutz Großmann mit einem großartigen und zu Recht bejubelten Handpuppenstück ("Kasper tot - Schluß mit lustig") mit bestbeherrschtem Handwerk. Ich denke, auch Elite zu fördern ist Aufgabe einer solchen Hochschule.
Aber in dieser Richtung ist eigentlich nur noch das Paul-Klee-Stück "Über den Klee" mit Prof. Melanie Sowa und Friederike Krahl zu nennen (Nuller Jahre). Außerdem sicher Suse Wächter mit technisch relativ unkomplizierten, aber virtuos gespielten Puppen, oft in kleinem Ensemble - aber fast nie in Berlin. 

Es gibt natürlich einige allein oder zu zweit erfolgreich spielende, solide Puppenspieler, zumeist für Kinder. 
Was machen die anderen Absolventen aus 50 Jahren? Keiner weiß es richtig. Viele vergößern das Heer arbeitsloser Schauspieler, manche scheitern m.E., weil von Professoren - selber in hochdotierter Festanstellung abgesichert, völlig im Gegensatz auch zu höchst erfolgreichen Puppenspielern - auf eine Karriere als individualistische Festival-Existenzen orientiert. Meist eine Illusion.
Daß hier etwas völlig schiefliegt, zeigt sich schon darin, daß in der Ausbildung Kinder-Puppenspiel faktisch nicht vorkommt, das in der Praxis aber ca. 90 % ausmacht. (Das schreibe ich als ehem. künstl. Leiter des ersten regelmäßig auch für Erwachsene spielenden DDR-Puppentheaters, der auch seine gesamte lange Karriere überwiegend mit Erwachsenen-Puppenspiel machen konnte und es damit zeitweise in Berlin zu vergleichsweise astronomischen Aufführungszahlen brachte, wie ab 2001 am Hackeschen Hof-Theater mit bis zu 80 Vorstellungen eines Stückes - höchst selten schafft es in der Schaubude ein Stück auf 10).

Protest


Um 2000 protestierte ich gegen die "Verschauspielung" der Puppenspiel-Abteilung, viele Kollegen schlossen sich an, auch zwei Puppentheaterchefs. Darunter der Intendant des Puppentheaters Magdeburg - Brief an Rektor Völker: 

“... nach nunmehr doch mehrjährigem Unverständnis, gestatten Sie mir einige kritische Anmerkungen zur Ausbildung der Studenten der Abt. Puppenspielkunst.... Aktueller Anlaß meines Briefes ist die diesjährige Diplominszenierung der Abt. Puppenspielkunst... daß es uns nicht möglich gewesen ist, die Spieler hinsichtlich ihrer Qualifikation im Umgang mit dem Material, der Figurenführung zu beurteilen... wurde uns auch durch Studenten bestätigt, daß sie, hier am konkreten Beispiel, eine Handpuppe lediglich als „Schuhputzlappen“ benutzen... wird in Gesprächen mit Studenten und auch Dozenten immer wieder bestätigt, daß die Projektarbeit an Kinderinszenierungen viel zu kurz kommt bzw. überhaupt nicht stattgefunden hat... Vorstellungsbesuche, auch der Dozenten, in den Puppentheatern, außer in denen man vielleicht Gasttätigkeiten ausübt, erfolgen nicht... Zweckentfremdungen der Puppentheater sind fas immer hausgemacht, da oftmals durch Absolventen Ihrer Schule die bereits oben erwähnten Wurzeln verlassen werden...“

Ähnliches kam auch von Absolventen. 
Ich hatte mich damit vor allem FÜR die staatl./städt. Ensembels engagiert, die Nachwuchs brauchten.
Der damalige Abteilungsleiter Lorenz reagierte mit einer internen Verleumdung beim damaligen Kultur- und Bildungssenat, die nur durch Zufall - ein neues Gesetz - ans Licht kam, nachdem ein Senatsdirigent Kleber sie als quasi sachliche Widerlegung unserer Argumente gewertet und das ganze gedeckelt hatte. 
In dieser Gegendarstellung des Abt.leiters der Puppenspielabteilung waren wir alle "verstaubt" und ich fachlich und pädagogisch unter der Norm (nachdem Abteilungsleiter Lorenz mich 23 Jahre lang geholt hatte). Kraß wurde es, als mir darin Gewaltbereitschaft gegen Studenten, sexuellen Übergriff andeutend, unterstellt wurde.
Es folgten meinerseits jahrelange Klärungsversuche. Irgendwann war der Abteilungsleiter es nicht mehr - und rächte sich u.a. durch Einflußnahme in der Puppenspielszene, wo ich keine Arbeit mehr fand (auch der oben zitierte Magdeburger Intendant kippte später um) - dafür zunächst in "Shockheaded / Struwwwelpeter", einer Musik-Schauspiel-Puppen-Produktion am Hamburger Schauspielhaus ab 2000, bald nach Zuschauerzahlen und Jubelpresse erfolgreichstes Stück mit Puppen im deutschen Subventionstheater. 

Aber trotz einer höchst erfolgreichen, auch auf Arte gesendeten Opern-Uraufführung mit Puppenspielern und Sängern, Mendelssohns "Soldatenliebschaft" (2008 / 10) war meine Puppenspiel-Karriere vorbei. Zeitweise auf Hartz-4-Niveau existierend, änderte sich gerade jetzt alles wieder: Ich hatte früher meine hohen Gagen in einer Immobilie angelegt, deren Wert inzwischen auf das Vielfache stieg. Glück gehabt.

Es geht hier nicht vordergründig um mich als Opfer.  

 

Opfer ist die Kunst des Puppenspiels


Mich erinnert der Umgang mit den Puppenspielern, die wieder einzeln oder zu zweit durch Kitas ziehen und eine Art Kindertheater-Grundversorgung zu Tiefstpreisen leisten, an das Konzept der Nazis, die Ostvölker als billige Arbeitssklaven zu erhalten.

Zunächst bemühte sich der erste Schaubudenleiter Gerd Taube entsprechend und es kam bis 2007 zu drei Ensembleproduktionen mit jeweils zusammengestelltem Ensemble. Der wie fast immer Erste an den Pfründen war Ernst-Busch-Prof. Jochen Menzel, der mit drei Pantomimen - nicht Puppenspielern - eine höchst wirkungsvolle skurrile Aufführung bot. Eher zurückhaltend bis boykottierend verhielt er sich bei den beiden Gemeinschaftsabenden, auf die ich statt einer eigenen Inszenierung zunächst orientierte: Alle interessierten Puppenspieler boten ein kurzes Stück, ich - zu beiden Programmen von allen als Regisseur gewählt - fügte es zusammen. Erst danach und nach einer weiteren Ensemblearbeit an der Schaubude, jetzt unter Puppenspieler Ulrich Treu, ging ich 1996 ein eigenes Stück an, das künstlerisch wohl gewichtigste der Taube-Epoche. Ich fügte die beiden wichtigsten Texte der deutschen Literatur zu unserem Metier, Kleists "Über das Marionettentheater" und Storms "Pole Poppenspäler" zusammen zu

"Gaukler, Gott & Gliedermann"
 ...wieviel Selbstironie, Witz und wunderbar zarte Momente...DIE WELT ...wahrhaftig ein bewußter Umgang nicht nur mit Kleist...Die kleinste Bewegung spricht Bände    SCHEINSCHLAG    ...Sinnliches Spiel, altmodisch und perfekt, originell und analytisch. TAGESSPIEGEL


(Daß damals mindestens 6 Rezensionen erschienen - inzwischen längst undenkbar - liegt das nur am veränderten Zeitgeist?)

Aus meinem Faust-Projekt 1998, erstmals Goethes FAUST 1 mit seiner Inspirationsquelle, dem Volkspuppenspiel vom Dr. Faust an einem Abend, stieg die Schaubude, jetzt unter Silvia Brendenal, ohne erkennbaren Grund aus. Die verbleibenden Produzenten, Theater Gera und Kulturstadtjahr Weimar 1999 realisierten es dennoch, sogar zwei Aufführungen in der Schaubude konnte ich später durchsetzen. Eine Thüringer Zeitung schrieb - während zum Kulturstadtjahr Weimar eine ganze Serie "Faust"-Inszenierungen lief:     

"...eine der außergewöhnlichsten, überraschendsten und überzeugendsten Inszenierungen dieses Stoffes..."


Danach war es an der Schaubude vorbei mit Eigenproduktionen professionellen Ensemble-Puppenspiels - im Prinzip bis heute.
(Unter Brendenal gabe es noch einen anderen Faust zu sehen. Die Puppenspielstudenten und die junge Schauspielregisseurin meinten, Faust und Gretchen könne man mit Puppen nicht spielen, mit Puppen spielten sie also nur kurz das Volk und überraschten ansonsten höchst innovativ damit, daß man das berühmteste deutsche Schauspiel auch schauspielen könne) .
Alljährlich zeigen also - unbezahlte - Studenten in der Schaubude eine Ensembleproduktion. Und täuschen damit darüber hinweg, daß es das Gleiche von Profis nicht gibt. 
2021 gab es zwei Ansätze, aber "Fanny und Alexander" bestand neben etwas Papiertheater überwiegend aus Schauspiel, ebenso und besonders absurd "Republik der Käfer" mit 4 verkleideten Puppenspielerinnen, die Insekten schauspielten. Die sind eben mit Puppen nicht darstellbar. Oder?

Zurück zu anno 2000 - Brendenal hatte mich nicht nur in der Schaubude kaltgestellt, sagte sie plötzlich in einer Sendung auf 3sat:

„Er ist ja ein Mensch, ein Künstler, der unentwegt Impulse gibt, sich unentwegt reibt, unentwegt Energie freisetzt ... und da ist schon sehr viel entstanden. Also ich war in diesem Jahr zum ersten Mal in Amerika und da ist Waschinsky ’ne Legende, jeder Puppenspieler, dem man da begegnet... „Wie geht es Peter Waschinsky?“ Und dann wird von seinen „Regenwürmern“ geredet. Also diese „Regenwürmer“ haben tatsächlich eine Auseinandersetzung mit den künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten im Puppentheater provoziert, international wie national.“

Brendenal hatte als Theater-der-Zeit-Redakteurin zweifelsohne großen Verdienst - kontinuierlich hatte sie ab 1981 Rezensionen usw. in der DDR-Theaterzeitung erscheinen lassen. Und indirekt gegen ein gewisses Diktat, mit der sowjetischen Stabpuppe zu spielen, polemisiert. Umso absurder, daß sie nun eine andere "invasive Art", diesmal aus Frankreich, also Richtung West, puschte: Le théâtre d' objet, Objekttheater, ca. 1980 in Frankreich erfunden. Das ist meistens eine Art Schauspieltheater mit überbetonten Requisiten, die ggf. für Charaktere stehen. Der Beweis, daß damit außer kurzen Szenen auch größere dramatische Bögen mit Entwicklungen spielbar sind, steht noch aus. Dafür öffnete es das Genre nach gleich  a l l e n  Seiten. Scheinbar.
Ähnlich als würde man Free-Jazz zur eigentlichen Musik erklären und tendentiell jede musikalische Ausbildung für überholt - gab es an der Schaubude zeitweise nur noch Performance, Installation und Schauspiel in sich eher auflösenden Formen. Gleichzeitig verengte es sich im eigentlichen Puppenspiel: Kaum noch Handpuppen und Marionetten, dafür Klappmaulpuppen, Tischpuppen u.ä. - direkt geführt bei sichtbaren Spielern. Und technisch eher anspruchslos.
Bei letzterem stagnierte zudem das Problem der sichtbaren und zu oft ablenkenden Spielergesichter. Ich habe das oft moniert bei Szenenstudien und gefordert, das in der Ausbildung zu berücksichtigen. Keine Reaktion.

 
Ensemblespiel und Arbeitskreis

Ich als der letzte Regisseur im o.g. Sinne, bemühte mich immer wieder - umsonst. Für "Das Incognito" von J. v. Eichendorff, einer der wenigen spielbaren Puppenspieltexte eines A-Autoren, wurden lediglich 3 Spieltage gewährt, was einem klaren Nein gleichkam. Es ging ja auch um eine der Raumgröße angemessene Aufführung, für die in Berlin kaum eine andere Spielstätte da ist. Als ich sie aber hatte - mein Gartentheater ab 2020 - und es nur um die Premiere in der Schaubude ging, um die Inszenierung öffentlich zu machen, sagte Tim Sandweg gänzlich ab. 
Ich hatte 2008 (Sendung auf ARTE 2010) mit dem Geraer Opern- und Puppenspielensemble eine nachgelassene Oper von FELIX MENDELSSOHN-BARTHOLDY uraufgeführt:

SOLDATENLIEBSCHAFT 

Regie und Textfassung Peter Waschinsky

Frankfurter Allgemeine Zeitung: Attraktiv gelungen... Regisseur ist der legendäre ostdeutsche Puppenspieler Peter Waschinsky.... zartfühlender Anwalt von Mendelssohns Figuren....
FREIE PRESSE CHEMNITZ...Zwei zusätzliche Dimensionen, die alles restlos unglaublich, aber zugleich auch unglaublich unterhaltsam machen... in der von Peter Waschinsky, einem der besten deutschen Puppenspieler, erarbeiteten Inszenierung zu einem fulminanten Feuerwerk...gewinnt durch das intelligente Zusammen- und Wechselspiel von Marionetten, Sängern, Chor und Orchester erst den kindlichen Zauber
THÜRINGER ALLGEMEINE Applaus gilt vor allem den entscheidenden Garanten des Bühnenerfolgs der Uraufführung: den Puppenspielern

(Das war meine letzte Ensemble-Regie, mit 58 Jahren)

Tim Sandweg hatte vor ca. 3 Jahren die Puppenspieler zu Aktionen gegen den Rechtstrend aufgerufen. Es geschah nichts. Als bald darauf aber drei unterschiedliche Abende über das "andere Buchenwaldkind", den in Auschwitz ermordeten Sinto und Puppenspielersohn Willy Blum entstanden, ich war an zweien ganz unterschiedlich beteiligt, verhinderte er Aufführungen in der Schaubude und versuchte - im Kleinkrieg gegen mich - dem einen Abend mit mir indirekt Rassismus anzuhängen. Näheres: https://generalanzeiger-waschinsky.de/index.php/blumen-und-tomaten/487-zigeunerleben-oder-der-baer-im-zk
Als unlängst die internat. Puppenspielerorganisation UNIMA zu Benefiz-Aktionen für bedrängte Kollegen in Ländern wie Afghanistan und darauf ich zu einem entspr. Abend in der Schaubude aufrief, regierte diese nicht einmal. Zum Ukrainekrieg kam bisher gar nichts.

Der aus meiner Sicht fachlich ungenügend kompetente Leiter Tim Sandweg (zuvor kaum Erfahrungen und keinerlei Meriten, aber gut vernetzt) umgab sich vor einigen Jahren mit einem vierköpfigen Arbeitskreis. Neben drei akzeptablen Kolleginnen gehörte auch "Björn" dazu, näheres unbekannt, zu der Zeit Praktikant o.ä. am Puppentheater Grashüpfer.
Ute Kahmann, gestandene und erfolgreiche Puppenspielerin, ist derzeit einzig verbleibendes Mitglied des faktisch zerfallenen Arbeitskeises. Sie engagierte sich sehr bei Information zu Corona-Überbrückungs-Fördermitteln. Das ist auch das Einzige, was die meisten Berliner Puppenspieler noch interessiert: Indem ihre Situation immer prekärer (gemacht) wird, werden sie immer opportunistischer. Die "Bessergestellten", z.B. mit Basisförderung, sind es sowieso. Indem sie sich wie die Dozenten seit Jahrzehnten nichts von mir ansehen, sind sie für Buschfunk- und Stammtischparolen empfänglich, wie die über mich: Da meckert nur der Erfolglose.

Beispiel: Zu meinem 50. Bühnenjubiläum "darf" ich 2017 noch einmal in der Schaubude auftreten (Laut Senat das "Theater der Berliner Puppenspieler" - allzu häufig von Performances aus der Ferne blockiert) und zeige meinen Mitmachklassiker "Das Entchen", das in meiner Fassung allein in Berlin von drei Puppenspielern gespielt wird - ich lasse auch die beiden anderen einladen, neben Monika Parthier auch Friederike Hellmann, obwohl sie es ohne meine Erlaubnis spielt. Sie kommt, spielt, verschwindet - guckt sich nicht einmal mich mit dem Original an. Sie hatte es von ihrem Vater übernommen, auf den ich es einmal übertragen hatte.
Zu dieser Werkschau gibt es abends auch eine Premiere und, mittlerweile fast eine Sensation an der Schaubude, zwei Rezensionen:

"Bombig!“ Soloabend 2017

"Eine Hand tritt auf. Sie bewegt sich filigran über die Spielleiste... trotz aller Absurdität eine unendliche, feine Zartheit... Ein Selbstdarsteller, ja. Aber immerhin mit einer gehörigen Portion Selbstironie... Die meisten Beiträge jedoch sind flott, durchdacht, ausgefeilt, polemisch, ironisch..." Fidena-Portal
"Die verbalen Pfeile flogen... er fürchtet wohl nix und niemand... besitzt viele Talente... seine Texte werden immer besser... Letztlich hat er es geschafft. Nämlich – Wut in Kunst umzuwandeln" Neues Deutschland

Dieses fast sicher letzte Solostück von mir 67jährigen wird von der Schaubude nach der Premiere abgesetzt. Bei aller Souveränität des Entscheidungsrechtes eines Theaterleiters: Ist das noch Meinungsfreiheit? Oder systematische Zerstörung einer Karriere?

Noch einmal zur Berliner Kasperschule:
2021 will ich für das Puppenspielmagazin PMO Puppenspieljugend interviewen und sie ihre Sicht äußern lassen. Ich hatte immer wieder - wahrscheinlich als einer der häufigsten Puppenspieler usw. - Vorspiele besucht und teils ausführlich beschrieben. Dabei schickte ich - wie bei den Profis - die erste, ggf. schlechtwertende Fassung der Hochschule und veröffentlichte nur eine überwiegend positive Version, bzw. üb erhaupt nichts. 
Mehrere angeschriebene Studenten / Absolventen reagieren gar nicht, bzw. über Dritte ablehnend, so auch eine Studentin, die mir das aber per Mail begründet. Für mich verdichtete sich erstmals in solcher Deutlichkeit der Eindruck von 

 

Hirnwäsche


Die Studentin bezieht sich auf mein Stück "Zigeunerleben...", was sie als einziges gesehen hat - zahlreiche Videos und Fotos im Netz nicht - und schließt daraus auf Minderqualität einer nur angeblichen Koryphäe. Das gesehene Stück war ausdrücklich KEINE Inszenierung, sondern eine szenische Lesung mit Puppen, was sie aber ausblendet.    
Meine aktuelle interne Kritik über das Vorspiel ihres Studienjahres, wo ich zwei von sieben Beiträgen grundsätzlich in Frage stelle, bewertet sie erstaunlicherweise als gut (Andere Meinung dazu: "Haben Sie vielen Dank für Ihre Zeit, die Sie unserer Arbeit widmen und die ausführliche Auseinandersetzung mit den einzelen Studierendenarbeiten. Aus Ihren Texten spricht viel Erfahrung und Interesse an dem Genre und ein kritischer Geist. Bleiben Sie uns gewogen" schrieb mir dazu die Büromitarbeiterin der Abt. - kurz darauf ist ihre Stelle neu besetzt, Zufall?), die Studentin meint aber zwei Zeilen weiter, ich würde in meinen Rezensionen nur Krieg mit der Puppenspielabteilung führen und meinen Groll ablassen. Ich bitte sie, mir dafür Beispiele zu nennen - keine Antwort.
Meine gelegentlichen Protestaktionen an der Schaubude findet sie unverständlich - ich hatte mich sehr klar gegen Eventkultur (ständiger Programmwechsel ohne wirkliche Eigenproduktionen, Leuchtturmkonzept) geäußert, meist aber nur Flugblätter verteilt.
Es wirkt, als hätte sie im Auftrag von Puppenspielabteilung und Schaubude geschrieben. Bei letzterer hat sie einen kleinen Job.

SCHLUSS: Gelsenkirchener Barock, Marionetten und Stasi


(nannte man ironisch in den 30er bis 50er Jahren gewisse scheingediegen-protzige Industriemöbel) Vor wenigen Jahren vermelden Puppenabteilung und das "Musiktheater im Revier" Gelsenkirchen mit einigem Tamtam die Gründung einer Puppenspielsparte am TiM. Das interessiert mich, ich habe viel mit Musikern gemacht und 2008 eine nachgelassene Oper von Mendelssohn in Gera uraufgeführt, mit Sängern und Puppenspielern, 2010 auf ARTE gesendet: "Soldatenliebschaft"., s.o.

Inzwischen Rentner, biete ich dem Gelsenkirchener Intendanten Hilfe an. Keine Reaktion. Eher unfreiwillig stoße ich nach und nach auf Ungereimtheiten und es zeigt sich: Die Gelsenkirchener Puppensparte ist eher ein potemkinsches Dorf um eine NRW-Sonderförderung: Eine einzige Frisch-Absolventin ist Chefin, das "Ensemble" sind zwei Puppenspielstudenten - dazu zwei Schauspieler ohne jeden Puppenspielbezug in der Vita. Für einige Inszenierungen werden Puppenspielergäste eingekauft, gerne auch (billige?) Studenten.

Pardon, aber auch ich war öfter Gast in sowas, z.B. in drei Stücken am Hamburger Schauspielhaus, ohne daß das gleich als neue Sparte verkauft wurde. Und für das Broadway-Musical "Avenue Q", auch am TiM, werden überall Sänger oder Schauspieler einfach angelernt in Klappmaul-Puppenspiel, der allereinfachsten Technik, die aber auch bei Puppenspielprofis eine der beiden Haupttechniken ist. Auch bei Ernst-Busch-Absolventen. Da muß man nicht viel üben.
Gerade am Gelsenkirchener Repertoire zeigt sich immer wieder, wie dort problemlos Nicht-Puppenspieler puppenspielen. Aber warum dann eine 4jährige Hochschulausbildung?

Immer wieder gibt es dagegen Probleme mit Marionetten (die ich früher oft unterrichtet habe, ich habe auch einen Kurs ins Internet gestellt). Nachdem ich um 1990 nicht Abteilungsleiter sein wollte, bewarb ich mich aber 2005 als Dozent. Genommen wurde Astrid Griesbach, die sich eher - auch nach eigener Aussage - als Schauspielregisseurin sieht, Spezialität: Masken. Ich verstehe davon auch was (Zusatzausbildung in Pantomime am Pantomimeensemble des Deutschen Theaters), habe auch viel Spiel- und Regie-Praxis in Genre-Mischungen - kann aber auch, anders als Griesbach, die dringend benötigte Puppenspielausbildung  leisten. Aber sie ist eher, was man sich unter "modern" vorstellt, auch wenn mir niemals offen das Gegenteil unterstellt wurde.
Und so geben 2021 völlig Ahnungslose Marionetten-Szenenstudium - man hatte die Nachbildung von Lehrbeauftragten versäumt. Eine betroffene Studentin bestätigt meinen Eindruck: Der Dozent konnte ihr nichts vermitteln.
Zu dieser Zeit wird in einem bestimmten Zusammenhang ein anderer früherer Absolvent auffällig besser behandelt als ich. Er hat als Stasi-IM Kollegen nachweislich deutlich geschadet - ich war eher oppositionell, ohne das sonderlich zu betonen. Dazu und zur Marionettenproblematik sieht die Hochschule (Rektorin und Abt. leiter) keinen Handlungsbedarf.
Und - hier wird es endgültig indiskutabel - auf mein Angebot eines Marionettenkurses für Nachwuchsdozenten antwortet Abt.leiter Markus Joss nicht.  

PS:
Klimabestimmend für das Berliner Puppenspiel war 2018 die Umwandlung des zweitgrößten Berliner Puppentheaters "Hans-Wurst-Nachfahren" in ein weiteres Tanztheater. Die Leitung ging in Rente, das Haus sollte vom Besitzer anders genutzt werden - er gewährte aber Aufschub um 5 Jahre. Klaus Lederer hatte sich engagiert - aber wofür wirklich?
In der extrem kurzfristigen Ausschreibung kamen von 8 Bewerbern 7 aus dem Puppenspiel - den Zuschlag im in vielerlei Hinsicht anrüchigen Prozeß erhielt die Nicht-Puppenspielerin. Der Spielplan des nunmehrigen "Theater Feld" ist mittlerweile bunt gemischt. Warum nicht - aber warum mußte dafür ein weiteres Puppentheater eliminiert werden?
Etwa gleichzeitig bekam ein als "Puppenspiel" deklariertes Freies Projekt 70.000 € Senatsförderung - soviel wie nie ein anderes in diesem Genre. Als ich es besuche, stellt es sich als reine Installation ohne jeden Puppenspielbezug heraus. Beide Jurys - für die Installation und für die "Hans Wurst"-Umwandlung - waren teilweise personell identisch. 


Es bestätigte die Puppenspiel-Ausrottungs-Orientierung der Berliner Kulturpolitik.  

PS: Inzwischen war zu erfahren, daß MELANIE SOWA, nach eigener Äußerung ohne Ahnung davon, jetzt Marionette unterrichtet. Ich hatte vor Monaten angesichts des vorjährigen Desasters angeboten, Kurse für Nachwuchs-Dozenten zu geben. Keine Reaktion.

Um nicht zu pauschalisieren, wie im deutschen Puppenspiel üblich: Melanie Sowa ist eine hervorragende Puppenspielerin - vor allem ihr Handpuppenstück "Über den Klee" wurde bestens bewertet, auch in meiner Rezension. Auch ihre Arbeiten mit Studenten waren immer gut, zumindest solide gearbeitet. Warum unterrichtet sie jetzt ausgerechnet die ihr fremde Marionette und unterstellt sich damit dem abstrusen Agieren der Abteilungsleitung?